
Facebook spricht jetzt auch deutsch. Zwei Tage nach dem Start des neuen studiVZ-Ablegers für Nicht-mehr-Studenten meinVZ ist das rasant wachsende Social Network Facebook nun auch mit einer deutschen Oberfläche verfügbar. Was bedeutet das für Selbstmarketing und Reputationsmanagement?
Facebook hat das Zeug, auch in Deutschland ganz vorne mitzuspielen
Facebook ist zurzeit wohl eines der innovativsten Social Networks. Allein die Möglichkeit, die eigene Profilseite mit kleinen „Applications“ aufzupeppen, ist in dieser Form und in diesem Umfang bisher einzigartig. Mit ihnen lassen sich fremde Inhalte in das eigene Profil integrieren, beispielsweise eigene Blogartikel, die zuletzt gehörten Songs (

Ein Ausschnitt aus meinem Facebook-Profil mit einigen Applications:
[1] die letzten drei Marketingblogger-Artikel,
[2] mein letztes Twitter-Posting,
[3] drei meiner Songs und
[4] meine nächsten Reisen via Dopplr.
Die Möglichkeit, sich so individuell und – je nach Belieben – detailliert innerhalb eines Social Networks zu präsentieren, ist in Bezug auf die Stärkung der eigenen Reputation äußerst interessant. Natürlich sollte man es nicht übertreiben. Auch wenn grafische Auswüchse augenkrebserzeugender Art – wie beispielsweise von vielen MySpace-Profilen hinreichend bekannt – bei Facebook nicht möglich sind, so beeinträchtigt eine umfangreiche Ansammlung von Applications auf der eigenen Profilseite schnell deren Übersichtlichkeit in hohem Maße.
Bisher spielt Facebook in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle. Da eine solche Website in Deutschland offenbar ohne eine deutsche Lokalisierung nicht massentauglich ist, wird das Feld lt. einer Untersuchung der FH Bonn-Rhein-Sieg bis heute von studiVZ, XING und Stayfriends beherrscht. Doch das könnte jetzt anders werden. Schließlich ist studiVZ eigentlich nur ein ziemlich dreister Facebook-Nachbau und hat sich in Bezug auf Technik, Features und Innovationen – im Gegensatz zum US-amerikanischen Original – in den letzten Jahren nur unwesentlich weiterentwickelt. Allerdings hat studiVZ eine treue und aktive Mitgliederbasis. Es wird also spannend.
Mit meinVZ öffnet sich die Social-Network-Sparte des Holtzbrinck-Verlages nun für alle
Was das Original bereits vor längerer Zeit als sinnvoll erkannt hatte, macht die deutsche Kopie nun nach: Man weitet die Zielgruppe auf die gesamte Bevölkerung aus. Während das ursprünglich ebenfalls als reines Studentenportal gestartete Facebook jedoch „einfach nur“ mehr Leute einließ, ist das bei studiVZ aufgrund des Namens nicht möglich. Deswegen eröffnete der Holtzbrinck-Verlag am 28. Februar (nach schülerVZ) den zweiten studiVZ-Ableger: meinVZ. Dort sollen sich nun Freunde, Bekannte, Kollegen, ehemalige Studien- und Arbeitskollegen, Partner für Sport, Spaß und Freizeit sowie Freunden aus aller Welt („auf Deutsch oder Englisch“) finden und austauschen.
Damit das neue Portal nicht isoliert dasteht, werden nun alle studiVZ-Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihr Profil mit einem Klick auch für meinVZ-Besucher öffnen können:

Ob meinVZ hinsichtlich Reichweite und Mitgliederaktivität ein ebenso erfolgreiches Social Network wird wie studiVZ bleibt abzuwarten. Außerhalb des studentischen Umfeldes gibt es starke Konkurrenz, insbesondere durch XING, das im Business-Bereich unangefochtene an erster Stelle steht und mit seinen unzähligen Gruppen, in denen es nicht nur um berufliche Themen geht, teilweise auch außerhalb des Büros relevant ist.
Was ändert sich für das persönliche Reputationsmanagement
Ein gut gepflegtes Profil bei Facebook kann ich jedem empfehlen. Insbesondere für Web-2.0-affine Personen, die sich im Web relativ offen präsentieren, bieten die Profilgestaltungsfeatures bei Facebook ganz neue Möglichkeiten, die es in dieser Form meines Wissens nach sonst nirgends gibt. Da Facebook mit 66 Millionen aktiven Nutzern die zweitgrößte Online-Gemeinschaft im Internet ist und dabei deutlich schneller wächst als der Weltmarktführer MySpace, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Bedeutung der Plattform dank der Lokalisierung nun auch in Deutschland rasch zunehmen wird.
Präsenz zeigen und die – für viele Nutzer anderer Social Networks noch neuen und ungewohnten – Möglichkeiten der Profilgestaltung ausprobieren, kann nicht schaden. Vor allem für letzteres ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt. Gerade neue Benutzer neigen nämlich dank des nur allzu menschlichen Spieltriebes anfangs zu einer Überfrachtung des eigenen Profils mit „lustigen“ und verspielten Applications, die jedoch letztendlich einem professionellen Auftreten nur bedingt dienlich sind, soweit dieses vom Profilersteller eigentlich beabsichtigt ist. Erfahrungsgemäß erfolgt irgendwann das große „Ausmisten“ und die Reduzierung auf die tatsächlich relevanten Applications. Diese Erfahrungen sollte man jetzt sammeln, solange Facebook in Deutschland noch nicht ganz so bekannt ist.
Was meinVZ angeht, sollte man meiner Meinung nach zunächst noch ein wenig abwarten, wie sich das Portal entwickelt. Ich persönlich werde wahrscheinlich neben meinem vorhandenen studiVZ-Account noch ein meinVZ-Profil eröffnen. Da die Sichtbarkeit über die Portalgrenzen hinweg gegeben ist, werde ich jedoch mit ziemlicher Sicherheit mein Profil bei studiVZ löschen, da mir als Teilzeit-Fernstudent (berufsbegleitend) das Umfeld bei studiVZ noch nie so richtig zugesagt hat. Sobald ich ein paar Erfahrungen mit meinVZ gesammelt habe, werde ich berichten.


Daniel
am 2008-04-11 um 20:37
Die Blase wächst und wächst.. ich sehe da keine große Zukunft für die ganzen Social-Seiten.