ReputationDefender kooperiert schon wieder, diesmal mit myON-ID

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Logos von myON-ID und ReputationDefender

Vor dreieinhalb Wochen vermeldete der kalifornische Online-Repotationsmanagement-Dienstleister ReputationDefender eine Kooperation mit der deutschen Personensuchmaschine yasni.de. Heute kam der zweite Streich: eine Kooperation mit dem Reputations-Portal myON-ID.

Offenbar kommt man in Zukunft also auch in Deutschland wohl nicht mehr an ReputationDefender vorbei, wenn es um das Thema Online-Reputationsmanagement geht. Die Kalifornier drängen massiv und mit enormer Geschwindigkeit auf den noch jungen deutschen Reputationsmanagement-Markt.

Überzeugendes Dienstleistungsangebot von ReputationDefender?

Wie ich persönlich über das Angebot von ReputationDefender denke, habe ich an anderer Stelle bereits geschildert. Ich bleibe dabei: Mich überzeugen die Anpreisungen nicht.

Denn so einfach lässt sich einmal Veröffentlichtes im Netz eben nicht ungeschehen machen. Im Hinblick auf die Sichtbarkeit dieser unerwünschten Inhalte bei der Suche nach dem eigenen Namen in Suchmaschinen, ist eine Verdrängungsstrategie mittels Suchmaschinenoptimierung wahrscheinlich der bessere Weg. Und für neue Inhalte gilt ohnehin: Erst denken, dann schreiben bzw. hochladen! Dann gibt es später auch keine Probleme.

Erstaunlicher Sinneswandel bei myON-ID

So wie ich dachte man offenbar bis vor kurzem auch bei myON-ID. Mario Grobholz, Chef des Reputationsportals, wurde Ende Februar 2008 in der Stuttgarter Zeitung folgendermaßen zitiert:

„Im Unterschied zum ‚Reputation Defender‘ gehe es myON-ID auch nicht darum, bestimmte Inhalte wie die eigenen Jugendsünden aus der Google-Suche zu entfernen. ‚Technisch gesehen ist es nicht möglich, Informationen im Internet zu löschen.‘“
Quelle: Stuttgarter Zeitung Online

Vor zwei Monaten war die Löschung von unliebsamen Inhalten also noch „technisch gesehen nicht möglich“, heute bereits prangt auf fast jeder einzelnen Seite der myON-ID-Website ein großes Banner mit der Botschaft „Unliebsame Einträge gefunden? Wir löschen diese für Sie!“.

Bewerbung der ReputationDefender-Dienstleistungen auf myON-ID

Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit

Was mag diese 180-Grad-Drehung ausgelöst haben? Update: Eine größere Anzahl von myON-ID-Nutzern hat nach Aussage von Mario Grobholz diese Leistung nachfragt. Waren es wirtschaftliche Überlegungen? War es die Marktmacht (soweit man davon überhaupt schon sprechen kann) der Kalifornier? War es der – berechtigte oder unberechtigte – Drang, mit dem durch ReputationDefender erweiterten Angebotsumfang von yasni.de mithalten zu müssen?

Update: Den etwas unaufgeräumten Eindruck, den die unterschiedlichen Aussagen aus dem Artikel vom Februar und der ReputationDefender-Pressemeldung bei mir hinterlassen habe, hat Mario Grobholz im myON-ID-Blog einen Tag nach der Veröffentlichung der Pressemeldung wieder „zurechtgerückt“:

„Das Löschen durch Reputation Defender ist kostenpflichtig und es besteht keine Garantie auf Erfolg. Jedoch gibt es viele Fälle in denen Reputation Defender bereits helfen konnte unliebsame Einträge zu entfernen.

[…] Unsere grundsätzliche Einstellung gegenüber dem Löschen hat sich nicht geändert. Es ist schwer und in einzelnen Fällen nicht möglich Einträge zu löschen, weshalb wir es nach wie vor für nachhaltiger und effizienter halten dafür zu sorgen dass die positiven Einräge weiter oben gefunden werden oder noch besser – das es gar keine negativen Einträge gibt. […]

Dennoch gibt es Fälle in denen das Vorgehen des Löschens erfolgreich angewendet werden kann.“

Quelle: myON-ID Blog

Bitte nicht falsch verstehen: Ich kann sehr gut verstehen, dass man manchmal die eine oder andere Überzeugung überdenken und ggf. ein wenig modifizieren muss, wenn man mit seinem Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein will. Doch wenn wir schon über Reputation reden, dann geht es dabei auch um Glaubwürdigkeit.

Und in dieser Hinsicht muss ich dann doch einmal darauf pochen, dass es manchmal eben auch ums Prinzip geht. Zunächst grenzt sich myON-ID bei der Darstellung der eigenen Positionierung ganz klar von ReputationDefender ab und zweifelt indirekt die Wirksamkeit deren Geschäftsmodell sogar an. Und nun wird myON-ID quasi zum Reseller der ReputationDefender-Dienstleistungen. Kein Wort mehr darüber, dass die Löschung eigentlich gar nicht so einfach oder gar „technisch gesehen nicht möglich“ ist.

Das passt für mich einfach nicht zusammen und hinterlässt einen unaufgeräumten Eindruck der Marke myON-ID. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass die Pressemeldung von ReputationDefender im myON-ID-Blog heute in keiner Weise erwähnt wird. Statt dessen wird gezeigt, dass die BILD Zeitung Köln über myON-ID berichtet hat (Titel: „Bewerbungsfalle – Lösch Dein Peinlich-Foto im Internet!“ … BILD eben). Ein solches Presseclipping ist zwar schön, aber am Tag der Bekanntgabe einer solchen Kooperation nun wirklich zweitrangig. Die Werbebanner für das myON-ID-(teil-)gebrandeten ReputationDefender-Angebot sind dagegen online. Hätte eine Website wie XING sich so verhalten, hätte es bereits kräftige Schelte für ein solches Kommunikationsverhalten gegeben.

Update: Ein Interview mit Mario Grobholz  – wie unten angedacht – wird es in Kürze geben. Jedoch möchte ich dabei weniger auf die Kooperation mit ReputationDefender eingehen, denn meine offenen Frage hierzu hat er in seinem Blog-Artikel vom 25. April bereits beantwortet. Viel mehr interessiert mich seine Einschätzung der weiteren Entwicklung von myON-ID und des Online-Reputationsmanagements in Deutschland an sich. Dies erstaunt mich um so mehr, da myON-ID in Sachen Pressearbeit bisher vorbildliche Arbeit geleistet hat. Nicht zuletzt deswegen ist das Interesse von medien und Öffentlichkeit am Thema Online-Reputationsmanagement in den letzten Monaten stark gestiegen. Ich werde mich in den nächsten Tagen um ein kurzes Interview mit Mario Grobholz bemühen, denn ein wenig mehr Hintergründe würden mich zu diesem Thema schon interessieren.

Was bringt mir myON-ID?

Die gute Pressearbeit ist in meinen Augen übrigens der größte „Verdienst“ von myON-ID, denn die Plattform selbst begeistert mich nur mittelmäßig. Update: Das im Folgenden beschriebene Problem kam offenbar durch die Migration meines Profils von der alten auf die neue myON-ID-Version zustande und ist bereits behoben. Für mich ist das Portal eigentlich schon dadurch komplett unbrauchbar, weil die neue Software-Version es nicht schafft, meinen Nachnamen korrekt zu schreiben. Nein, ich heiße nicht „Vanlaar“, sondern „van Laar“! Der Fehler hat sich bei der Migration auf die neue Portalversion eingeschlichen, vorher erschien der Nachname korrekt.

Wenn ein starkes Argument von myON-ID ist, dass mein dortiges Profil bei der Google-Suche nach meinem Namen weit oben erscheint, ist es ein Unding, dass zweiteilige Nachnamen nicht korrekt behandelt werden. Ändern kann man diesen Fehler übrigens in seinen Profileinstellungen im Nachhinein nicht. Die Felder für Vorname und Nachname sind für Eingaben gesperrt. Eine E-Mail an den Support mit der Bitte um manuelle Korrektur blieb ebenfalls unbeantwortet. Dementsprechend erscheint mein Profil bei myON-ID auch erst auf der fünften Google-Ergebnisseite und ist für meine persönliche Suchmaschinenoptimierung damit irrelevant. Update: Ich bin gespannt, welche Auswirkungen die nun richtige Schreibweise meines Namens auf die Position meines myON-ID-Profils in den Google-Suchergebnissen haben wird. Riesige Sprünge erwarte ich zwar nicht, aber ein paar Plätze könnten schon drin sein.

Die wichtigen ersten beiden Google-Ergebnisseiten habe ich ohnehin auch ohne die Hilfe des Reputationsportals gut im Griff. Interesse an den von myON-ID angebotenen AdWords-Anzeigen habe ich somit ebenfalls nicht. Das Monitoring der Erwähnung meines Namens im Web läuft ohnehin sehr zuverlässig und zeitnah außerhalb von myON-ID mithilfe von RSS-Feeds und E-Mail-Abos der Suchergebnisse von rund einem Dutzend verschiedenen Suchmaschinen und Web-2.0-Portalen.

Also habe ich persönlich eigentlich keine große Verwendung für das Reputationsportal, außer dass ich ein weiteres Profil von mir im Web stehen habe, das mir vielleicht den einen oder anderen Backlink auf meine Websites beschert. Zwar gibt es da noch den „Reputationsindex“, den man mit Bewertungen der eigenen Person durch andere myON-ID-Mitglieder aufpolieren kann. Doch da das öffentliche Empfehlungen-Schreiben in Deutschland meinem Gefühl nach noch immer nicht so üblich ist, wie z. B. im angloamerikanischen Raum, sehe ich diese Funktion eher als nettes Beiwerk.

Update: Die Frage, ob die Kooperation mit ReputationDefender die Attraktivität von myON-ID steigert, ist eigentlich durch die Tatsache, dass sie letztlich aufgrund von Nutzeranfragen zustande gekommen ist, bereits beantwortet. Ob die Erweiterung des Angebots durch die Lösch-Dienstleistungen von ReputationDefender die Attraktivität von myON-ID steigern, bleibt abzuwarten. Dies dürfte wohl auch von der Art der Einbindung abhängen. Beim Klick auf das Lösch-Angebot-Banner gelangt man von der myON-ID-Website zur Reputation-Defender-Website. Das myON-ID-Logo ist zwar noch klein oben rechts auf der Landing-Page zu sehen. Ansonsten weist aber nichts auf das deutsche Reputationsportal hin. Wenn myON-ID damit lediglich als eine Art Affiliate auftritt, dürfte der Effekt der Kooperation wohl vorrangig monetärer Art sein und sowohl Image als auch Angebotsattraktivität weitgehend unberührt lassen.

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Kommentare

  1. Mario

    Hallo Herr van Laar, bevor sie sich derart ausgiebig mit Vermutungen und der Interpretation unseres Handelns beschäftigen, hätten sie mich mal lieber vorher(!) kontaktiert, dann hätten sie nicht so im Nebel stochern müssen. Der Gedanke dazu kam ihnen ja schon wie man hier lesen kann, wurde nur leider nicht umgesetzt sondern erst drauf losgeschrieben.
    Um es kurz zu machen, es geht hier nicht um Sinneswandel, da hat sich unsere Meinung nicht Grundlegend geändert. Wenn aber eine größere Anzahl von Nutzern genau nach dieser Leistung nachfragt dann ist es für uns u.a. auch eine wirtschaftliche überlegung das angebot anzupassen. Dass das für uns nicht die Super-News ist können sie also daran erkennen, das es nicht sofort in unserem blog steht und das die Meldung nicht von uns rausgegeben wurde. Also einsach mal abwarten und Schauen was noch alles kommt bei myON-ID.

  2. Allein gegen die BILD | ReputationDefender kooperiert schon wieder, diesmal mit myON-ID

    […] Weiter: Zum ganzen Artikel […]

  3. Michael van Laar

    Mittlerweile haben Mario Grobholz und ich uns kurz per Mail ausgetauscht. Ich habe noch einmal betont, dass die hier geäußerte Kritik lediglich meine Meinung sowie meine Eindrücke wiedergibt, daher keinen Anspruch auf Objektivität erhebt und schon schon gar nicht in irgendeiner Weise persönlich zu nehmen ist.

    Da ich heute allerdings nur weinig Zeit habe, telefonieren wir am Montag miteinander. Ein kleines Interview wird es ohnehin demnächst geben.

    Und auch wenn das Laute Denken in Blogs durchaus legitim und üblich ist, werde ich ab jetzt trotzdem immer versuchen, noch ein wenig genauer zu recherchieren. Dann gibt es auch keine Missverständnisse.

  4. Rainer Meyer

    Man sieht an dem Beispiel, dass es problematisch ist seine Daten für ein System zur Verfügung zu stellen, dass nicht transparent ist und die Regeln ändert. Ich würde daher empfehlen, sich positiv mit einen eigenem Blog um Selbstmarketing zu bemühen. Ausführlich: http://www.train-und-coach.de/reputationsmanagement-personensuchmaschinen-selbstmarketing.html

  5. M.W.

    Meine Erfahrungen mit Reputation Defender sind ausgesprochen negativ. Man bezahlt für eine nicht kontrollierbare Leistung, manche Zahlungen verschwinden im Nirgendwo, und der Kundenservice ist unfreundlich, unfähig und oft schon weit hinter der Schmerzgrenze.
    Eine E-Mailadresse die ich extra für den Kontakt mit Reputation Defender eingerichtet hatte, wurde massiv mit Spam verseucht, also kann es auch mit dem Datenschutz nicht allzuweit her sein.
    Fazit: Tunlichst Finger weg!


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