
Die neue Version des Reputationsportals myON-ID ist seit kurzem als Closed Beta online. Gut schaut die neue Website aus. Und sie hat das Zeug, als komfortable Schaltzentrale für Monitoring, Management und Marketing der eigenen Online-Identität zu fungieren.
Bereits am 6. Februar 2009 durfte ich mit ungefähr 20 weiteren Online-Reputations-Interessierten per Webcast einen Blick auf die neue myON-ID-Version werfen. Noch am selben Abend konnte ich mir dank schnellem Einladungscode-Versenden (Danke Sebastian!) mein eigenes Profil beim neuen Portal anlegen und ein wenig testen. Eine Woche später wurden sämtliche Profile von der alten in die neue myON-ID-Version übernommen, so dass jetzt nur noch die neue Version im Netz steht.
Schaltzentrale für das Management der eigenen Online-Reputation
Bisher war myON-ID in meinen Augen vor allem als nützliches Werkzeug für Einsteiger geeignet, um auf einfache Art und Weise etwas für den eigenen guten Ruf im Internet zu tun. Wer professionelles Selbstmarketing betreiben wollte, stieß leider verhältnismäßig schnell an die Grenzen der Funktionalität. Deswegen hielt sich meine persönliche Nutzung von myON-ID bisher auch in Grenzen.
Die neue myON-ID-Version jedoch bietet wesentlich mehr. „Halb Xing und ein viertel Friendfeed“ titelt netzwertig.com sehr treffend. Die myON-ID-Pressemeldung anlässlich des Launches fasst zusammen, worum es im Kern geht:
„Nun ist myON-ID ein ‚Meta Social Network‘, in dem jeder Internet-Nutzer seine persönlichen Online-Inhalte und -Aktivitäten zentral und komfortabel sammeln und verwalten kann: Jeder Nutzer kann Einträge, die es im Internet über ihn gibt, über das integrierte Social Media Monitoring kostenlos finden, beobachten und anhand zahlreicher Services in Form eines professionellen Personenprofils präsentieren.“
Quelle: myON-ID Blog
Die Monitoring-Oberfläche ist komfortabel zu bedienen. Die Suchergebnisse können nach Inhaltsarten gefiltert werden. Außerdem lässt sich nicht nur der eigene Name als Monitoring-Suchbegriff verwenden, sondern zusätzlich auch noch ein oder mehrere frei wählbare Begriffe. (Die Anzahl ist davon abhängig, ob man die kostenfreie Basis- oder die kostenpflichtige Premium-Variante nutzt.) So kann man auch Pseudonyme überwachen, unter denen man im Netz auftritt, oder nach einer heiratsbedingten Namensänderung auf dem Laufenden bleiben.
Mit nur einem Klick kann man Webtreffer dem eigenen (Präsentations-)Profil hinzufügen. Der vorgeschlagene Titel und die Kurzbeschreibung lassen sind bearbeiten. Zusätzlich können alle Webtreffer verschlagwortet werden, was sich für die späteren Präsentation als äußerst nützlich erweist. Außerdem können Profil-Besucher alle öffentlich gemachten Webtreffer kommentieren.
Zusätzlich zu den Webtreffern gibt es ein Lifestream-Modul. Ähnlich wie bei FriendFeed, Lifestream.fm und ähnlichen Diensten kann man hier seine Aktivitäten aus diversen Web-2.0-Services wie Twitter, Mister Wong, Last.fm oder Qype zusammenführen und als chronologisch sortierte Liste anzeigen lasen.
Ich nutze die Monitoring-Funktion erst seit ein paar Tagen. Doch nach den bisherigen Ergebnissen zu urteilen, gibt es wenig, was dem wachsamen Auge von myON-ID entgeht. Deswegen werde ich aller Voraussicht nach in Kürze mein Reputations-Monitoring „von Hand“ via RSS-Feed-Abos von Technorati-Suchergebnissen, Google Alerts, Twitter-Search und Ähnlichem vollständig durch das Monitoring von myON-ID ablösen.
Konsequente Nutzung offener Standards
Bei myON-ID kann man sich nicht nur via OpenID anmelden. Das myON-ID-Profil selbst kann ebenfalls als OpenID genutzt werden. Durch diese konsequente Nutzung von offenen Standards lassen sich für die etwas fernere Zukunft interessante Szenarien ausmalen.
Mithilfe von offenen Standards wie OpenID könnte man nicht nur das Login auf verschiedenen Websites erleichtern. Auch die zentrale Pflege von Profildaten ließe sich auf diese Weise realisieren, so dass man beispielsweise bei einem Wechsel des Arbeitgebers nicht zwanzig verschiedene Social-Network-Profile manuell aktualisieren muss.
Das myON-ID-Profil als persönliche Online-Visitenkarte
Das Personenprofil auf der alten myON-ID-Website war für mich nur ein Profil von vielen. Profile bei großen Social Networks wie XING oder Facebook konnte es meines Erachtens nicht ersetzen (und sollte es wahrscheinlich auch gar nicht). Und als persönliche „Visitenkarte“ im Netz war es nicht individuell genug, sondern eben „nur“ ein Profil bei einem Reputationsportal.
Für Nutzer der kostenpflichtigen Premium-Variante (5,99 Euro pro Monat) der neuen myON-ID-Version könnte sich dies nun ändern. Denn:
„Auf myON-ID kann sich jeder Nutzer in den Mittelpunkt stellen, seine Online-Identität individuell präsentieren und gestalten. Zum Beispiel kann er das Layout und die Struktur seiner ausgewählten Inhalte anpassen und sogar seine eigene Wunsch-Domain für das persönliche Profil buchen.“
Quelle: myON-ID Blog
Zahlende Nutzer können auf der eigenen Profil-Seite sogar das myON-ID-Logo ausblenden. In Kombination mit den stets aktualisierten Verweisen auf Web-Inhalte von oder über die eigene Person entsteht eine dynamische Online-Visitenkarte, die auch von Webdesign-Laien problemlos gepflegt werden kann.

Auch ich überlege mir, meine Kurzdarstellung unter www.michael-van-laar.de demnächst durch mein neues myON-ID-Profil zu ersetzen. Zwar verliert meine persönliche Kurzdarstellung hinsichtlich des Layouts ein wenig an Indiviualität. Doch der Zugewinn an inhaltlicher Dynamik macht dies wieder wett. Zudem ist es durch die Verschlagwortung der Webtreffer sehr einfach und zeitsparend möglich, Inhalte an mehreren Stellen des Profils hinzuzufügen. Zu diesem Zweck können für einzelne Themen wie zum Beispiel Fachgebiete, Projekte, Arbeitgeber oder Interessen eigene Unterseiten angelegt werden, auf denen dann jeweils nur Treffer mit den entsprechenden Schlagwörtern auftauchen. Einfacher kann man seine unterschiedlichen Fachkompetenzen kaum präsentieren.
Die Möglichkeiten der Profil-Individualisierung sind aber noch nicht am Ende. Auf meine Frage, ob es in Zukunft noch mehr Möglichkeiten geben wird, das Layout seines Profils zu beeinflussen, erklärte Mario Grobholz, Gründer und Geschäftsführer von myON-ID:
„Wichtig ist uns, dass das eigene Profil überhaupt angepasst werden kann. Es war uns ein persönliches Anliegen das zu ändern. Denn wir haben selbst natürlich auch in anderen Social Networks Profile, und da hat es uns alle gestört, dass man doch immer sehr starr an den Rahmen eines Formulars gebunden ist. Zudem steht meist der Betreiber der Plattform im Mittelpunkt und das ist – wenn ich Personal Branding betreiben will – eher hinderlich. So ist es also möglich das Design zu ändern, die Struktur anzupassen, die Inhalte selbst zu bestimmen, die angezeigt werden, und zudem auch eine eigene Wunschdomain für das Profil einzusetzen. Wir denken, dass damit einige Nutzer Ihre private Homepage ablösen werden. Zukünftig wird es sicherlich weitere Möglichkeiten geben das eigene Profil noch stärker zu individualisieren.“
Mario Grobholz
Auch die gegenseitige Bewertung von myON-ID-Nutzern, die von den bisherigen Profilen in Form der „Reputationsindex“-Box bekannt war, wird es laut Mario Grobholz in der neuen Version wieder geben, auch wenn Sie im Augenblick noch nicht eingebaut ist:
„Wir haben in der aktuellen Version die gegenseitige Bewertung – noch nicht – implementiert. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht und festgestellt, dass unsere Nutzer dies annehmen. Es ist damit zu rechnen, dass wir den Reputationsindex und die gegenseitige Bewertung in etwas anderer Art und Weise als bisher wieder einführen werden. Wir mussten nur leider bei der Vielzahl an Funktionen und dem Aufwand, der dahinter steht, einige erst einmal verschieben.“
Mario Grobholz
Internationales Online-Reputationsmanagement
Für immer mehr Menschen wird Reputationsmanagement auch im internationalen Kontext ein Thema. Ich habe Mario Grobholz gefragt, wie die Ideen von myON-ID diesbezüglich aussehen und ob es irgendwann einmal mehrere Sprachversionen eines Profilsgeben wird. Das ist immerhin ein Manko, das meines Wissens bisher noch kein (großes) Social Network zufriedenstellend gelöst hat.
„Wir haben vor, myON-ID bald zu internationalisieren. Wir haben hier eine recht klare Vorstellung, in welchen Märkten wir mit dem Konzept von myON-ID Erfolg haben könnten. Es wird also sicherlich bald eine englische Version unseres Social Networks geben.“
Mario Grobholz
Bis dahin kann man sich gut mit einer englischen Seite behelfen, wie es Mario Grobholz in seinem myON-ID-Profil tut.
Ich bin auf die zukünftige Entwicklung gespannt. Der eingeschlagene Weg ist vielversprechend. Es lohnt sich also für jeden, die neue myON-ID-Version selbst einmal auszuprobieren.


Gabriel
am 2009-06-04 um 10:04
Ich finde das Thema Online-Reputation sehr spannend, zumal es in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. Jeder sollte sich darüber Gedanken machen. Nicht nur der zukünftige Arbeitgeber schaut drauf..